[Rezension] Das Mädchen mit den gläsernen Füßen von Ali Shaw

Mittwoch, 16. Mai 2012

Buchinformationen:
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag:
Script 5 
Sprache: Deutsch
ISBN - 10:
3839001315
ISBN - 13:
978-3839001318
Preis:
19,95€
Kaufen?:
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Kurzbeschreibung:
Die Begegnung mit ihm war wie eine Kollision gewesen und sie hatte gewusst, dass sie ihr Leben lang genau danach gesucht hatte: mit solcher Wucht mit einem anderen Menschen zusammenzuprallen, dass sie für einen Moment mit ihm verschmolz.
Eine karge, zauberhafte Inselgruppe voller wundersamer Bewohner - hierher kommt Ida zurück, um Antworten zu finden. Denn eine mysteriöse Veränderung geht mit ihr vor: Sie verwandelt sich zu Glas. Doch was Ida stattdessen findet, hier auf St. Hauda's Land, ist die große Liebe. 

Meine Meinung:
Aus der Sicht des auktorialen Erzählers schrieb Ali Shaw von dem zurückhaltenden Midas und der jungen Ida, die langsam aber sicher vom Fuß aufwärts sich in Glas verwandelt. Bereits vom Anfang wird dem Leser bewusst, welche Macht Shaws Schreibstil hat. Er hat so eine ausdrucksstarke Leichtigkeit, die mir sofort passende Bilder im Kopf zauberten und mir wurde klar, welch bildgewaltiges Talent der Autor hat. 
 
Mit Midas und Ida hat Ali Shaw außergewöhnliche - jeder auf seine Art - liebenswerte Charakteren geschaffen und zugleich Personen ins Leben gerufen, die nicht unterschiedlicher hätten sein können.
Ida: die junge, lebensfrohe Frau, die in ihrem bisherigen Leben stets auf der Sonnenseite lebte und die trotz ihrer aussichtslosen Lage immer noch aufbauende Worte für andere Menschen hat.
Midas: ein zurückhaltender Einzelgänger, verfolgt von seiner familiären Vergangenheit. Immer darauf bedacht, es allen recht zu machen und das alles verpackt in seiner fortwährenden Melancholie. 

Die beiden lernen sich direkt zu Anfang kennen und beginnen den Leidensweg von Ida, gemeinsam zu bestreiten. Während Ida von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht wird, die sie in Glas zu verwandeln scheint, beginnt Midas zu lernen für etwas zu kämpfen. Aufgrund seiner Eltern hat er nie gelernt, andere Menschen an sich heranzulassen - sei es körperlich, freundschaftlich oder wie auch immer. Doch mit Ida schaffte es Midas, sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen und schaut das erste Mal in seinem Leben, optimistisch in die Zukunft.

Anfangs dachte ich, dass mich die stets präsente Melancholie an die Wand fahren würde. Dass ich aufgrund dieser traurig schönen Stimmung mich etwas heruntergezogen fühle und das Buch nicht mehr lesen mag. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Ich konnte es kaum weglegen. Shaw hat mit "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" eine so einfühlsame Geschichte geschaffen, dass sie ohne dieser Melancholie nicht das gewesen wäre, was es schließlich geworden ist. 

Während dieser unglaublich schönen Lesereise lernte ich auch andere Charaktere kennen, beispielsweise Henry Fuwa, der kurzzeitig Idas einzige Hoffnung auf Heilung war, Midas Vater und Carl: verliebt in Idas verstorbene Mutter, der seine Liebe zur Mutter an Ida neu entflammen wollte. In verschiedenen Abschnitten erzählt uns der Autor also noch von weiteren kleinen Schicksalen. Diese Sequenzen - ich nenne sie absichtlich Sequenzen, da der Autor es immer wieder geschaffen hat, wegen seines unglaublich tollen Schreibstils kleine Filmchen in meinem Kopf abzurufen - erzählte uns Ali Shaw viele weitere Geschichten. Manche scheinen auf den ersten Blick zu irritieren, doch ist man immer mehr in die Geschichte involviert, stellt man fest, dass die Vergangenheitsausschnitte einfach mit zur Geschichte gehörten. Außerdem half das Erzählen - z.B. das Alltagsleben von Midas' Eltern - den jungen Mann besser zu verstehen. 

Besonders zum Schluss hat Shaw nochmals etwas an Gefühlen drauf gelegt. Die Zeit schien dahin zu rennen, als sich die Glaskrankheit nun auch auf anderen Körperregionen bei Ida auzubreiten schien. Während das Schicksal die beiden jungen Menschen verbunden hat, geht diese Verbundenheit immer tiefer: Denn Midas und Ida verlieben sich ineinander. Nun ist Midas nicht mehr der schüchterne melancholische Jüngling, sondern ein verliebter und hoffnungsvoller Liebender. Gerade in den letzten Kapiteln habe ich wirklich kämpfen müssen, ein paar Tränchen zurückzuhalten, denn ich fühlte mich ein Stück weit wie Ida. Glücklich mit Midas, ausslichtslos krank, gewillt in die Zukunft zu blicken, auch wenn nur Midas in diesen schönen Planen zu sein schien. Hauptsache ihm ging es gut und Ida muss nicht mehr leiden... 

Fazit:
Selten habe ich solch ein unglaublich tolles Debüt glesen. Mich würde interessieren, wie viel von Shaw in dieser Geschichte steckt. Denn wenn der Autor nicht aus Erfahrung schreibt, so ziehe ich meinen Hut davor, welch Kraft seine Worte haben, indem sie mich traurig, glücklich und hoffnungsvoll stimmten. "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" und Ali Shaw haben mich auf ganzer Linie überzeugt. 

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